Swingpfennig / Deutschmark (Spielfilm 1994)

Swingpfennig / Deutschmark
Hamburg 1994, 90 Min
R/B: Margit Czenki
mit: Francoise Cactus, Ted Gaier, Ale Dumbsky, Schorsch Kamerun, Daniel Richter, Claudia Gonzalez, Claudia Grabbe

Kein Film erfasst die aufregende Stimmung in den Soulkaschemmen, Seitenstraßen, Hotdogläden und WGs des Kiez 1994 so toll wie dieser. in Margit Czenki’s “Roadmovie zu Fuß” schweifen junge Leute aus der Subkultur dieser Zeit (u.a. Francoise Cactus, Ted Gaier, Ale Dumsky, Schorsch Kamerun, Daniel Richter) durch St. Pauli und finden überraschende Spuren einer verdrängten Alltagskultur des “Gegenlebens” während der Nazi-Zeit.

Spuren der Swingjugend, ihrer Orte, ihrer Musik; des Chinesenviertels, Hinterzimmerfilme, und die Bilder einer Malerin, Elfriede Lohse-Wächtler, die dieses abweichende Leben auf dem Kiez vor und in der Nazizeit zeichnete und aquarellierte – bis sie für verrückt erklärt und ermordet wurde.

Margit Czenkis Film fängt gleich zwei Zeitebenen ein: Einerseits ein wertvolles Dokument des subkultur geprägten St. Pauli zur Zeit als Punk und Hip Hop aufeinender trafen, zur Zeit der Wohlfahrtsausschüsse, zur Zeit der sich nach der Wiedervereinigung häufenden rechtradikalen Übergriffe und des Widerstands dagegen – und nachinszenierte Szenen aus dem “3. Reich”, die traumartig aus der Vergangenheit wieder auftauchen und als verdrängte Vergangenheit albtraumartig in der Gegenwart wieder auftauchen. Auch in dieser Hinsicht ist der Film brandaktuell.

 

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